Nantes, Grüne Hauptstadt Europas 2013 [fr]

JPEG Frankreich ist bekannt für seine Städte mit ihrem bemerkenswerten architektonischen Erbe, wie Paris, Lyon, Bordeaux, Aix-en-Provence… Andere Städte sind generell weniger bekannt, ihre Reize brauchen etwas länger, um ins öffentliche Bewusstsein zu dringen. Zu ihnen gehört auch Nantes, Capitale verte de l’Europe 2013, auf Deutsch: Grüne Hauptstadt Europas 2013

Seit Jahren sind in der französischen und internationalen Presse immer wieder lobende Worte über die Lebensbedingungen und die Lebensqualität in Nantes zu lesen. Bereits 2004 wurde der Ort am Atlantik vom amerikanischen Time Magazine zur „angenehmsten Stadt Europas“ gekürt. Am 21. Oktober 2011 konnte Jean-Marc Ayrault, früherer Bürgermeister von Nantes, nun in Stockholm aus den Händen des Preisgerichts der Europäischen Kommission die Auszeichnung Nantes, Grüne Hauptstadt Europas 2013 entgegennehmen. Dieser Preis würdigt die beispielhaften Bemühungen der lokalen Akteure, Nantes zu einer „nachhaltigen“ und lebenswerten Stadt zu machen. Auf Grundlage von elf Umweltkriterien wurden seit 2010 Stockholm, Hamburg und Vitoria-Gasteiz für diesen Titel auserwählt. Nach Nantes wird 2014 Kopenhagen an der Reihe sein.

Welch tiefgreifenden Wandel hat diese früher als Handelshafen international renommierte Stadt vollzogen, seitdem sie in den 1970er Jahren zur Restrukturierung ihrer Schwerindustrie gezwungen war! Der entscheidende Faktor für eine derartige Revolution ist laut Fabrice Roussel, Vizepräsident des Kommunalverbands Nantes Métropole, „eine langfristig angelegte öffentliche Politik“.

Nantes liegt im Mündungsdelta der Loire, inmitten einer ökologisch fragilen Landschaft mit 9500 ha Feuchtgebieten. Im Einzugsbereich der 600.000 Einwohner zählenden Regionalhauptstadt befinden sich vier Schutzgebiete des „Natura 2000“-Netzwerks terrestrischer und mariner Naturräume Europas, die wegen der Seltenheit oder Schutzbedürftigkeit ihrer Fauna und Flora und der dazu gehörigen Lebensräume besondere Beachtung verdienen. „Ein Beweis dafür, dass wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz durchaus nicht unvereinbar sind“, bemerkt die Jury der Europäischen Kommission.

Abgesehen von der außergewöhnlichen Natur waren die Jurymitglieder vor allem auch beeindruckt vom modernen und umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsnetz des Ballungsraums und der kohärenten und nachhaltigen Wasser- und Abfallwirtschaft.

Doch dies ist kein Grund, sich mit dem bisher Geleisteten zu begnügen. Die Metropolregion Nantes verfolgt ehrgeizige Projekte in den Bereichen städtische Mobilität, Klimaschutz und Biodiversität. Auf die Frage nach dem heutigen Erfolgsrezept von Nantes meint Francis Roussel: „Das sind keine Erfindungen unsererseits“. Die Inspirationen entstammen lokalen Quellen, sie kommen von Bürgern, Vereinen und Unternehmen. Darüber hinaus werden die Überlegungen des Kommunalverbands Nantes Métropole zum Thema Nachhaltigkeit auch durch die Mitarbeit in diversen französischen und internationalen Arbeitsgruppen befruchtet.

Für 2013 ist ein vielfältiges Programm geplant: Bürgerversammlungen, Projektaufrufe, Ideenwettbewerbe, Experimente… Alles Initiativen, die die Bewohner des Großraums Nantes dazu ermuntern dürften, die Nachhaltigkeitspolitik ihrer Region aktiv mitzugestalten. Bei den „Nantern“ scheint die Botschaft jedenfalls angekommen zu sein – dies belegt die schon vorhandene Flut an Ideen und Projekten.

Absolut eindeutig ist die hohe Attraktivität der Metropolregion Nantes: ihre Einwohnerzahl ist in den letzten zwanzig Jahren um 100.000 gestiegen und dürfte bis 2030 im gleichen Umfang weiter zunehmen. „Die Menschen aus Nantes wollen in ihrer Region bleiben“, so Fabrice Roussel, „was den positiven Bevölkerungstrend zumindest teilweise erklärt“.

Maxime Amieux

-  www.nantesmetropole.fr
- ec.europa.eu
-  www.lesekovores.com

Letzte Änderung 17/01/2013

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