Netz und Betrieb der französischen Bahn werden unter dem Dach der SNCF zusammengelegt [fr]

JPEG Nachdem Frankreich 1997 eine von der SNCF unabhängige eigene Netzgesellschaft Réseau Ferré de France (RFF) geschaffen hatte, soll diese nun wieder mit der staatlichen Eisenbahn SNCF verschmolzen werden. Die Struktur ähnelt dann der in Deutschland, wo die Deutsche Bahn auch der Netzbetreiber ist.

Die so geschaffene Infrastrukturgruppe wird in ihren wesentlichen Funktionen unabhängig sein. Nach der Öffnung für den Wettbewerb wird jeder neue Anbieter freien und gleichen Zugang zum französischen Schienennetz haben – entsprechend den Auflagen der EU-Kommission.

Die Regierung war zum Handeln gezwungen, da das Defizit der französischen Bahn heute 31 Mrd. Euro beträgt und die Schulden bis 2022 sogar auf 55 Mrd. Euro anwachsen könnten. Grund hierfür sind der Rückgang der Verkaufserlöse im Frachtverkehr und eine nachlassende Servicequalität. Deshalb wird es Veränderungen auf struktureller und finanzieller Ebene geben:

-  Zunächst auf struktureller Ebene: Die Netzgesellschaft RFF, die für die Trassenvergabe zuständige SNCF-Direktion DCF (Direction de la circulation ferroviaire) und SNCF Infra (zuständig für die Verwaltung, Nutzung und Instandhaltung des Schienennetzes) werden zusammengelegt zu einem einheitlichen staatlichen Gebilde, das wiederum der SNCF angegliedert sein soll. So wünschten es auch die Mitarbeiter, um „das Eisenbahnsystem wieder unter einem Dach zu vereinen und endlich mit den Rivalitäten der Vergangenheit zu brechen“, so der Staatsminister für Verkehr, Frédéric Cuvillier, am 29. Oktober 2012.

Die Regionen werden an den Überlegungen über den geplanten Zusammenschluss beteiligt. Die Einzelheiten müssen noch geklärt und die Verhandlungen mit der Europäischen Kommission, den Gewerkschaften usw. geführt werden. „Über die juristische Form wurde noch nicht entschieden“, so Staatsminister Cuvillier.

-  Dann auf finanzieller Ebene: Die Schulden werden nicht in Staatsschulden umgewandelt, da die Geschäftseinnahmen über 50 % der Kosten abdecken. Die Schuldzinsen werden nicht steigen: Die Netzgesellschaft RFF haftet mit ihrem Vermögen und gewährleistet so stets die finanzielle Bonität.

-  Schließlich auf sozialer Ebene: Bei unverändertem Status der Beschäftigten werden die Organisation der Arbeitsabläufe und damit die sozialen Rahmenbedingungen modernisiert.

Die Europäische Union hat ein Inkrafttreten des Wettbewerbs im Personenverkehr bis spätestens 2019 geplant und Frankreich bereitet sich darauf vor. Die Regierung will jedoch keine Vorverlegung auf 2014, die laut Staatsminister Cuvillier „das Todesurteil für die SNCF wäre“.

Letzte Änderung 02/11/2012

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