Schulanfang 2014: Frankreich führt 5-Tagewoche in Grundschulen ein [fr]

GIF Am 2. September 2014 ist es wieder soweit. Mit der so genannten „rentrée“ öffnen die Schulen nach den Sommerferien wieder ihre Pforten – dieses Jahr für 12,3 Mio. Schüler und 840 000 Lehrer. Aufgrund des Geburtenhochs der letzten Jahre steigt die Gesamtschülerzahl weiter leicht an.

2014 kommen zwei wichtige Neuerungen:

Neue Stundentafeln in Vor- und Grundschulen

Die wichtigste Neuerung ist die umfassende Umsetzung der vom Gesetz vorgeschriebenen 5-Tagewoche in den Vor- und Grundschulen, nachdem im letzten Schuljahr nur ein kleiner Teil der Schulen diesen Schritt gegangen war. Betroffen sind dieses Jahr 87,2 % der Gemeinden und 85,1 % der Schüler. Vorübergehend ist es Gemeinden mit praktischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung erlaubt, abweichende Regelungen anzuwenden. Dies betrifft 12,8 % der Gemeinden und 14,9 % der Schüler.
Die festgelegten 24 Wochenstunden werden in Zukunft auf 9 halbe Tage verteilt, womit der bisher freie Mittwoch entfällt. An vier Tagen wird in Zukunft bis zu 5,5 Stunden unterrichtet werden und an einem Tag bis zu 3,5 Std. Zudem ist eine Mittagspause von mindestens 1,5 Std. vorgeschrieben. Mit der Aufgabe des freien Mittwochs verkürzt sich die Schulzeit an den anderen Tagen im Schnitt um 45 Minuten. Die Schulen mit abweichenden Regelungen dürfen den Unterricht auf 8 halbe Tage verteilen, wovon aber 5 am Vormittag liegen müssen.

Im Vergleich zu anderen Ländern waren die französischen Grundschüler mit der Verteilung des Unterrichts auf 4 Tage bisher extrem belastet. Hinzu kommt, dass das Schuljahr in Frankreich mit 36 Wochen recht kurz ist und sich auf 144 Tage (Deutschland 208) verteilt. Laut OECD werden in Frankreich 843 Std. im Jahr unterrichtet, während es in anderen Ländern mit einem nach Alter gestaffelten Schnitt nur zwischen 774 bis 821 Stunden sind.

Die Regierung will mit diesem ersten Schritt ein besseres Gleichgewicht zwischen Schul- und Freizeit erreichen und so den „Schulstress“ mindern.

Neuformulierung der Lernziele

Ein zweiter Schwerpunkt dieses Schuljahres ist die Neuformulierung der Lernziele für Vor- und Grundschulen sowie für das Collège (Sekundarstufe I), die, gemäß den Vorgaben des Gesetzes vom 8. Juli 2013, ab 2016 umgesetzt werden sollen. Dabei geht es insbesondere um die Neudefinition eines gemeinsamen Wissenskanons und der zu erlernenden Kompetenzen. Zudem soll die Evaluierung der Schüler verbessert werden; als Grundlage dienen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie die nationalen und internationalen Standards.

Französisches Schulsystem 2014 in Zahlen

Schuljahr 2014/15 Kennziffern
Schüler in staatlichen und privaten Schulen 12 296 400 Schüler (Kontinentalfrankreich und Überseegebiete), davon:
6 796 300 Schüler in der Vor- und Grundschule
5 500 100 Schüler in der Sekundarstufe I und II,
davon:
3 335 100 in der Sekundarstufe I (Collège) und
2 165 000 in der Sekundarstufe II (Gymnasium), davon wiederum 671 200 in berufsbildenden Gymnasien
239 200 Schüler mit Behinderung in normaler Beschulung
Personal 841 700 Lehrkräfte in den allgemein bildenden Schulen
Schulen 64 000 öffentliche und private Schulen, davon:
52 600 Vor- und Grundschulen
7 100 (Collège)
4 300 Gymnasien, davon 1600 berufsbildende Gymnasien
Abschlüsse 2013/14 85,2% der Schüler erhalten das Diplom der mittleren Reife (Diplôme national du brevet).
87,9% der Schüler absolvieren die Abiturprüfung erfolgreich.
77,3% eines Jahrgangs schließen die Schule mit dem Abitur ab.
Klassenstärken in den staatlichen Schulen 2013 Vor- und Grundschulen
25,8 Schüler pro Klasse in den Vorschulen
22,8 Schüler in den Grundschulen
Sekundarstufen
24,8 Schüler pro Klasse in der Sekundarstufe I
19,3 Schüler in den berufsbildenden Gymnasien
29,8 Schüler in den Gymnasien
Durchschnittliche Ausgaben (2013) pro Schüler
6010 € in der Vor- und Grundschule
8 410 € im Collège
11 310 € im Gymnasium
11 960 € im berufsbildenden Gymnasium

Letzte Änderung 11/11/2014

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