Schule: Gesundheitserziehung und Vorsorgeuntersuchungen in Frankreich

Jede schulische Einrichtung ist verpflichtet, sich ein Programm zur Gesundheitserziehung und Staatsbürgerkunde zu geben. Es enthält insbesondere vorbeugende Maßnahmen gegen Suchtverhalten, Informationen in den Bereichen Sexualkunde, Ernährungslehre und eine Ausbildung in Erster Hilfe. Es wird von einem Comité d’éducation à la santé et à la citoyenneté (Komitee für Gesundheitserziehung und Staatsbürgerkunde) festgelegt, das seit Schuljahresbeginn 2005/2006 in jeder schulischen Einrichtung verbindlich ist.

 

Pflichtimpfungen

Wegen des häufigen Auftretens folgender Krankheiten in Schulen sind diese Impfungen Pflicht:
-  Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis (oft in Zusammenhang mit Keuchhusten)
-  Tuberkulose (BCG)

Weitere Impfungen werden dringend empfohlen:
-  Röteln, Mumps, Masern und für Jugendliche Hepatitis B.

Schüler und Studenten, die bei ihrer Ausbildung (Praktikum, Studium) ein Infektionsrisiko mit dem Hepatitis B-Vius eingehen, müssen gegen die Erreger immunisiert werden.

 

Vorsorgeuntersuchungen

Die erste schulische Gesundheitsbilanz wird im Alter zwischen fünf und sechs Jahren vorgenommen.
Diese vollständige Untersuchung umfasst die systematische Erkennung geringer Behinderungen oder Einschränkungen (Sehschärfe, Gehör, Sprach- und Verhaltensstörungen). Die Anwesenheit eines Elternteils wird empfohlen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Elterteil für die Zeit der Pflichtuntersuchung freizustellen.

Nach dieser ersten Volluntersuchung wird das Kind in regelmäßigen Abständen erneut untersucht. Zum Zeitpunkt der Entscheidung über die weitere schulische Laufbahn (nach der Grundschule) erfolgt die zweite Gesundheitsbilanz.

Vorsorgeuntersuchungen und eine regelmäßige ärztliche Betreuung werden zudem vorgenommen bei:
-  Schülern mit einer Behinderung oder gesundheitlichen Problemen, Schülern mit chronischen Krankheiten,
-  Schülern, die an gefährlichen Maschinen oder mit Giftstoffen arbeiten,
-  Vorliegen eines Gesuchs der Eltern, der Schulkrankenschwester oder des Lehrkörpers.

 

Die medizinische Akte

Ein kurzer Bericht über jede Untersuchung wird vom schulärztlichen Dienst in der „Gesundheitsakte“ des jeweiligen Schülers festgehalten.

Diese Akte unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Auf Antrag und nach Terminvereinbarung mit dem schulärztlichen Dienst kann diese eingesehen oder ihr Inhalt dem Hausarzt übermittelt werden.

 

Gesundheitliche Betreuung und Notversorgung an Schulen

Ein so genanntes Protokoll über die Organisation der gesundheitlichen Betreuung und Notversorgung an Schulen und öffentlichen Bildungseinrichtungen wurde am 6. Januar 2000 veröffentlicht. Es enthält allgemeine Informationen über eine Harmonisierung der beruflichen Praktiken und eine Klärung der Organisationsmodalitäten der Behandlung und Notversorgung in den Schulen und öffentlichen Bildungseinrichtungen.

Anweisungen über das Verhalten in Notfällen müssen in schulischen Einrichtungen aushängen. Eine Telefonleitung, über die Notdienste erreicht werden können, muss ständig in Bereitschaft stehen.

Bei der Einschulung von Jugendlichen mit einer chronischen Krankheit oder Behinderung, für die ein persönliches Betreuungsprogramm oder ein Integrationsabkommen gilt, müssen die verschriebenen Medikamente dem Gesundheitspersonal oder dem zuständigen Erwachsenen zur Verfügung stehen. Alles notwendige Material muss im Krankenzimmer bereitstehen. Die auf dem Notfallprotokoll stehenden Medikamente müssen ebenfalls im Krankenzimmer der Schule und im Notfallset des Kindes vorhanden sein.

In allen schweren Fällen werden die Familie und der Schuldirektor informiert.

Letzte Änderung 07/02/2019

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