Sozialpartner bringen Reform der beruflichen Weiterbildung auf den Weg [fr]

GIF Die französischen Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich nach mehrmonatigen Verhandlungen am 14. Dezember 2013 auf eine Vereinbarung zur beruflichen Weiterbildung geeinigt. Nach der offiziellen Unterzeichnung wird die Übereinkunft als Grundlage für einen Gesetzentwurf dienen, der am 22. Januar 2014 im Ministerrat eingebracht werden soll.

Die Reform soll der beruflichen Weiterbildung einen zentralen Stellenwert in den Unternehmen zukommen lassen, die Finanzierung vereinfachen und zu einem kostensparenderen Mitteleinsatz führen. Sie ist Teil der umfassenden Neuausrichtung von Aus- und Fortbildung und steht somit auch im engen Zusammenhang mit dem geplanten Gesetz zur Reform der Berufsausbildung. Dieses hat insbesondere die Stärkung der betrieblichen Ausbildung zum Ziel und soll im Januar vorgelegt werden.

Im Vorgriff auf diese Reform hatte die Nationalversammlung schon am 6. Dezember im Sinne einer klareren Identifizierbarkeit die bisherige Ausbildungsabgabe (taxe d’apprentissage) und die Abgabe zum Ausbau der Lehre (Contribution de développement de l’apprentissage) zu einer Abgabe in Höhe von 0,68 % der Lohnsumme verschmolzen.

Die Vereinbarung zur umfassenden Reform der beruflichen Fortbildung soll die oft bemängelten Fehler im System beheben. Sie umfasst in der Hauptsache folgende Punkte:

- Das Persönliche Weiterbildungskonto (CPF)

Jeder Arbeitnehmer soll ab 2015 Zugang zu einer qualifizierenden Weiterbildung erhalten, die ihm bessere Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs bietet. Die bisherige Regelung zur Weiterbildung (Individueller Weiterbildungsanspruch DIF – Droit individuel á la formation – bei der der Arbeitnehmer selbst aktiv werden muss) wird durch die Einführung von sogenannten Persönlichen Weiterbildungskonten (CPF – Compte personnel de formation) abgelöst. Im Unterschied zu der Vorgängerregelung, bei der der Arbeitnehmer über einen Zeitraum von 6 Jahren das Recht auf 120 Stunden Fortbildung ansammeln konnte, erhöht das CPF den Anspruch auf 150 Stunden. Dieser ist dabei aber nicht mehr zeitlich begrenzt, sondern kann über das gesamte Berufsleben mitgeführt werden. Er kann zudem vom Arbeitgeber bzw. von der öffentlichen Hand mit zusätzlichen Stunden aufgestockt werden, z. B. zur Gesundheitsprävention bei hoch belastenden Arbeitsplätzen.

Die zur Finanzierung des CPF eingesetzten Mittel werden gegenüber dem DIF mit rund 1,2 Milliarden Euro jährlich versechsfacht.

- Ausweitung der allgemeinen Fortbildungsangebote

Die Fortbildungsangebote für Arbeitssuchende und Geringqualifizierte werden ausgeweitet. Ein Hauptaugenmerk gilt dabei Geringqualifizierten in Kleinbetrieben.
Hierfür werden 900 Millionen Euro (statt bisher 600 Millionen) bereitgestellt.

- Finanzierung der beruflichen Fortbildung

Die Finanzierung der beruflichen Fortbildung, mit der die Arbeitgeber zu allen gemeinschaftlichen Systemen (CPF, aber auch Individueller Bildungsurlaub) der beruflichen Weiterbildung beitragen, wird vereinfacht. In Zukunft sollen die Unternehmen statt bisher 0,7 % einen Betrag von 1 % der Lohnsumme und Unternehmen mit weniger als 10 Angestellten 0,55 % abführen.

Zudem entfällt die überholte gesetzliche Vorgabe, 0,9 % der Lohnmasse zur Finanzierung von betrieblichen Fortbildungsmaßnahmen. Tatsächlich geben die Unternehmen nämlich bisher bisher schon mit durchschnittlich 2,7 % mehr als den gesetzlichen Pflichtsatz aus.

Des Weiteren soll es zu einer klaren Ausgabentrennung zwischen der Finanzierung der Weiterbildung und den Aufwendungen für Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen kommen, die sich bisher gemeinsam aus der Abgabe der Unternehmen speisten. Letztere werden in Zukunft über einen neu geschaffenen Fonds für den sozialen Dialog finanziert.

- Fortbildung und Fortentwicklung als ein zentrales Thema

Ganz im Sinne der Reformen, die aus dem Gesetz zur Beschäftigungssicherung hervorgegangen sind, soll die Fortbildung in den Unternehmen im Rahmen des sozialen Dialogs verstärkt thematisiert werden. Hierzu gehören etwa die Ziele der betrieblichen Weiterbildungspläne sowie auch die etwaige Aufstockung des Persönlichen Weiterbildungskontos der Arbeitnehmer z. B. für Geringqualifizierte.

Auch soll laut der Vereinbarung jedem Arbeitnehmer alle zwei Jahre ein Gespräch über seine berufliche Situation und Fortentwicklungsmöglichkeiten angeboten werden.

Der Minister für Arbeit, Beschäftigung, berufliche Bildung und sozialen Dialog, Michel Sapin, begrüßte am 14. Dezember diesen weiteren Fortschritt im sozialen Dialog.

Nach der einstimmigen Einigung über den Generationenvertrag vom Oktober 2012, der Einigung über die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes vom Januar 2013 und der Einigung über die Qualität am Arbeitsplatz vom Juni 2013 beweisen die Sozialpartner nun erneut, dass sie in der Lage sind, die Reformen durch Verhandlung voranzubringen.

Weitere Informationen:

- www.le-compte-personnel-formation.com

Letzte Änderung 23/12/2013

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