Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Douaumont zum 90. Jahrestag des Waffenstillstands 1918

Rede von Staatspräsident Nicolas Sarkozy zum 90. Jahrestag des Waffenstillstands 1918 in der nationalen Gedenkstätte Douaumont.

- Auszüge -

Douaumont, 11. November 2008

"Vor genau 90 Jahren, am 11. November 1918, ging der Erste Weltkrieg zu Ende. (...)

Frankreich wird niemals seine Kinder vergessen, die für das Land gekämpft haben. (...) Heute, am 11. November 2008, da fast alle Zeugen dieser Tragödie verstorben sind, da der letzte überlebende Soldat dieses schrecklichen Krieges nicht mehr unter uns ist, da der Hass erloschen ist und es keine Rachegefühle mehr gibt, da keiner derer, die sich so sehr bekämpft haben, mehr über den anderen herrschen will, ist die Zeit gekommen, alle Toten zu ehren. (...)

Wenn wir uns heute hier an diesem Ort zusammenfinden, wo einst der Präsident der Französischen Republik dem deutschen Bundeskanzler brüderlich die Hand gereicht hat, dann tun wir dies nicht, um den Krieg zu feiern. Ebenso wenig, um den Sieg eines Lagers über das andere zu feiern.

Wenn wir uns heute hier zusammenfinden, dann zuallererst um diejenigen zu ehren, die bis ans Ende ihrer Kräfte gekämpft haben, aus Liebe zu ihrem Vaterland und in der Überzeugung, für eine richtige Sache einzutreten. (...)

„So etwas darf nie wieder geschehen“, hatten sie gesagt. Sie wollten, dass dieser Kreig der allerletzte bleibe. (...)

Das europäische Einigungswerk, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Organisation der Vereinten Nationen sind nach so vielen Dramen, nach so viel mörderischem und totalitärem Wahnsinn der beste Beweis dafür, dass eine tiefgreifende Bewusstwerdung stattgefunden hat. (...)

Ich werde mich in wenigen Augenblicken auf dem deutschen Friedhof im Namen der Freundschaft verneigen, die das französische und das deutsche Volk heute verbindet; diese beiden Völker, die nach ihren derart erbitterten Kämpfen beschlossen haben, gemeinsam in die Zukunft zu blicken. (...)

Ich werde auch denjenigen gedenken, die es nicht geschafft haben, die dem Druck, dem Gräuel nicht standhalten konnten, und die eines Tages, nachdem sie soviel Mut und Heldentum bewiesen hatten, wie gelähmt stehen blieben, statt anzugreifen. Ich werde all jener gedenken, von denen man zu viel verlangt hat, die man zu vielem ausgesetzt hat, die manchmal auch aufgrund falscher Befehle in die Schlacht getrieben wurden und die eines Tages nicht mehr die Kraft hatten, zu kämpfen.

Dieser totale Krieg ließ keinen Raum für Nachsicht, für Schwäche. Aber 90 Jahre nach Ende des Krieges will ich im Namen der Nation sagen, dass viele von denen, die hingerichtet wurden, nicht ihre Ehre verloren hatten, nicht feige waren, sondern ganz einfach nur bis an das äußerste Ende ihre Kräfte gegangen waren.

Ich will sagen, dass das Leiden ihrer Frauen und ihrer Kinder genauso bitter war wie das Leiden aller Witwen und aller Waisenkinder dieses unerbittlichen Kriegs. (...)"

Letzte Änderung 02/05/2012

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