Staatspräsident Sarkozy beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union

Ansprache von Staatspräsident Nicolas Sarkozy beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union in Addis-Abeba, 30. Januar 2011.

(…) Zum ersten Mal seit 1963 darf ein französischer Staatschef das Wort vor einer Organisation ergreifen, die als Sinnbild für die Einheit des afrikanischen Kontinents steht. (…)

Frankreich hat derzeit den Vorsitz in der G8 und der G20 inne. Ich hatte Ihnen versprochen, dass ich alles tun würde, um Afrika so eng wie möglich in diesen doppelten Vorsitz einzubinden. Seit langem schon bin ich der Überzeugung, dass Afrika in der globalen Steuerung nicht den Platz hat, der ihm gebührt. Da heute sowohl der Präsident der Generalversammlung der Vereinten Nationen als auch der Generalsekretär anwesend sind, sage ich ihnen: Setzen Sie die Reform der Vereinten Nationen noch in diesem Jahr durch. Warten Sie nicht damit. Frankreich unterstützt Sie dabei. (…)

Meine Damen und Herren, (…) es ist an der Zeit, mit falschen Vorstellungen aufzuräumen. Afrika ist wirtschaftlich nicht gescheitert (…). Seine Wirtschaft wächst deutlich schneller als seine Bevölkerung und liegt weit über dem weltweiten Durchschnitt der letzten 10 Jahre.

In den letzten 8 Jahren sind die ausländischen Direktinvestitionen auf dem afrikanischen Kontinent um das Siebenfache gestiegen. (…)

Afrika erfreut sich einer außerordentlich dynamischen Demografie.

Aber auch gute Regierungsführung, Demokratie, die Einhaltung der Menschenrechte sind Werte, für die Ihre Organisation täglich eintritt und die Sie erfolgreich fördern. (…)

Frankreich respektiert die Souveränität der Staaten und das Selbstbestimmungsrecht der Völker. (…) Manche Werte haben Allgemeingültigkeit, dazu gehören die, die in der Charta der Vereinten Nationen und in der konstituierenden Akte der Afrikanischen Union verankert sind: Dialog, Zuhören, Öffnung. (…)

Alle Menschen, alle Völker streben danach. (…)

Die Welt von heute lässt sich nicht mehr so regieren, wie die Welt von Gestern. (…) Frankreich wünscht sich einen friedlichen Übergang. (…)

Wenn es einen Bereich gibt, in dem Afrika Fortschritte macht, dann ist das das Bereich der Prävention und der friedlichen Lösung von Konflikten. Hierfür verdienen die Afrikanische Union, ihre Kommission und ihr Friedens- und Sicherheitsrat Würdigung.

Sicher, es ist nicht alles perfekt. (…) Aber die Zahl der schweren Konflikte auf Ihrem Kontinent ist in den letzten 10 Jahren stark gesunken. Und nie zuvor fanden so viele pluralistische Wahlen statt, wie in dieser Zeit. (…)

Meine Damen und Herren, die Welt braucht Afrika, denn es ist Afrika, das als für den Wohlstand der Welt notwendiger Wachstumstreiber fungieren wird. Die Welt braucht ein geordnetes Afrika. Die Welt braucht ein engagiertes Afrika. (…)

Die G20 hat in Seoul einen ehrgeizigen Aktionsplan für die Entwicklung verabschiedet. (…)

Die Ernährungssicherheit. Eine Milliarde Menschen sind unterernährt. Es müssen wieder mehr Investitionen in die Landwirtschaft getätigt werden. (…) Die Agrarproduktion muss um 70 % steigen, um die 9 Milliarden Menschen, die 2050 auf dem Planeten leben werden, ernähren zu können. (…)

Der eigentliche Skandal, den ich hier vor Ihnen anprangern möchte sind jedoch die exzessiven Preisschwankungen der Agrarprodukte, die sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht haben. Schuld an den Hungeraufständen ist die Finanzspekulation auf den Agrarmärkten. (…) Wo keine Regeln, da auch keine Märkte.

Was die G8 angeht, war es mir wichtig, dass die Partnerschaft mit Afrika gestärkt wird. Deshalb werde ich in die G8 wie in die G20 die entscheidende Frage der innovativen Finanzierungsquellen einbringen. Meine Damen und Herren, Europa hat Ihnen in Kopenhagen eine Partnerschaft angeboten. 100 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2020. (…) Aber wer glaubt schon, dass diese Mittel ohne innovative Finanzierungen bereitgestellt werden können?

Für Frankreich sind innovative Finanzierungen nicht dazu bestimmt, die öffentliche Entwicklungshilfe zu ersetzen. Sie sollen diese lediglich ergänzen. (…)

Dieses Thema wird Frankreich zu einem der Schwerpunktthemen der G20 machen. (…) Ich bin schon sehr lange der Meinung, dass die beste innovative Finanzierungsquelle eine Finanztransaktionssteuer ist. (…)

Doch Frankreich wird die Finanztransaktionssteuer nicht zur Vorbedingung erklären. Mélès Zenawi hat andere innovative Finanzierungsquellen vorgeschlagen.

Letzte Änderung 16/02/2011

Seitenanfang