Sterbehilfe: Frankreich erlaubt allein die passive Sterbehilfe [fr]

Seit einigen Wochen wird das Thema Sterbehilfe in Deutschland wieder heftig diskutiert.

Wie ist eigentlich die Situation in Frankreich?

Das 2005 verabschiedete Gesetz Leonetti (benannt nach dem Abgeordneten und späteren Minister für Europäische Angelegenheiten, Jean Leonetti) legalisiert die „passive Sterbehilfe“, also die Möglichkeit, einen Patienten sterben zu lassen, statt ihn mit allen Mitteln künstlich am Leben zu erhalten. Im Gesetz heißt es: „Die Behandlung muss nicht mit allen Mitteln fortgesetzt werden. Wenn sie unnütz oder unangemessen erscheint, darf sie beendet werden.“

Das Leonetti-Gesetz richtet sich nach der in Frankreich geltenden Berufsordnung für die Ärzte, der zu Folge davon abzusehen ist, Leben mit allen Mitteln künstlich zu verlängern, es aber auch verboten ist, „den Tod eigenmächtig herbeizuführen“. Aktive Sterbehilfe bleibt in Frankreich also verboten und wird gleichgesetzt mit fahrlässiger Tötung. Sie wird mit drei bis fünf Jahren Haft und 45 000 bis 75 000 Euro Geldstrafe geahndet.

Neue Bewegung in der Frage um die Legalisierung der Sterbehilfe

Einer IFOP-Umfrage aus dem Jahr 2011 zufolge, sind 9 von 10 Franzosen dafür, dass „die französische Gesetzgebung die Ärzte ermächtigt, das Leben von Menschen, die sehr schwer und unheilbar erkrankt sind, auf deren eigenen Wunsch hin zu beenden“. Doch befürworten 45% der Befragten, die sich für eine Legalisierung der Sterbehilfe aussprechen, dies nur „in bestimmten Fällen“.

Im März 2012 startete die Association pour le droit à mourir dans la dignité (Verein für das Recht, in Würde zu sterben) eine Werbekampagne, die in Frankreich die Debatte über Sterbehilfe wieder aufleben ließ. Plakate zeigten verschiedene Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen sterbend in einem Krankenhausbett. Die schockierenden Bilder veranlassten natürlich auch die Kandidaten, sich zu diesem Thema zu äußern.

Die Politiker in allen Parteien sind bei dieser Frage sehr gespalten. Dabei schlug Staatspräsident François Hollande in seinem Wahlkampfprogramm vor, dass „jede volljährige Person im fortgeschrittenen Stadium oder Endstadium einer unheilbaren Krankheit, die unerträgliches physisches oder psychisches Leiden mit sich bringt, […] unter genau festgelegten Bedingungen um ärztliche Unterstützung bitten kann, um ihr Leben in Würde zu beenden“.

Neue Anläufe zur Veränderung des bestehenden Gesetzes

Seit Oktober 2008 wurden mehrere Gesetzentwürfe vorgestellt, die auf eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe abzielen. Sie wurden alle abgelehnt, zeugen jedoch von der Bedeutung der Debatte in Frankreich.

Sollte Frankreich die aktive Sterbehilfe legalisieren, so wäre es neben der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg das fünfte europäische Land, das hierfür einen gesetzlichen Rahmen schafft.

Stand: August 2012

Letzte Änderung 13/08/2012

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