Straßburg exportiert seinen Weihnachtsmarkt

JPEG Seit 1570 wird rund um den Straßburger Dom ein Weihnachtsmarkt statt, der somit der älteste Europas ist.

Der Straßburger Weihnachtsmarkt ist ebenso berühmt wie bunt und für unzählige Besucher aus dem Ausland eine Attraktion. In diesem Jahr wurde das Konzept bis nach Tokio exportiert, was angesichts der Tatsache, dass die elsässische Hauptstadt, sich als Europastadt mit internationaler Ausrichtung versteht, die Modernität und Tradition verbindet, nicht erstaunlich ist.

Zu Beginn der 1990er Jahre wurde der Weihnachtsmarkt wieder in Leben gerufen, „mit einem Erfolg, der all unsere Hoffnungen überstieg“, erinnert sich der jetzige Oberbürgermeister von Straßburg, Roland Ries.

Heute sind es 300 Buden, die sich auf 12 Standorte in der Stadt verteilen. Da immer mehr französische und ausländische Medien über den Straßburger Weihnachtsmarkt berichten, wurde ihnen in diesem Jahr ein 100 m2 großes Studio am Straßburger Dom eingerichtet. Es werden auch in diesem Jahr über 200 Millionen Besucher aus der ganzen Welt erwartet. Es ist somit nicht überraschend, dass das Straßburger Modell Nachahmer gefunden hat. In Frankreich, aber auch in anderen Ländern Europas, halten inzwischen viele Städte ihren eigenen Weihnachtsmarkt ab.

Die große Neuigkeit dieses Jahres besteht darin, dass der Straßburger Weihnachtsmarkt weit über die Grenzen Europas hinaus, bis nach Japan, ausstrahlt. Straßburg – Sitz des Europäischen Parlaments, des Europarates, des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, des Europäischen Bürgerbeauftragten … – bestätigt nicht zuletzt auch hierdurch seine internationale Ausrichtung. Es bestehen traditionelle Verbindungen zwischen dem Elsass und Japan. Im letzten Jahr, als Straßburg die „Japan Week“ ausrichtete, baten die Japaner darum, einen kleinen Weihnachtsmarkt mit rund 15 Buden in Japan zu organisieren. Auf dem Forum Plaza, einem der größten Einrichtungen im Zentrum der japanischen Hauptstadt, stellen ca. dreißig Aussteller die elsässischen Traditionen, Küche und Handwerk der Region vor.

Dasselbe Konzept soll im kommenden Jahr in Quebec Anwendung finden, da die Quebecer bereits ihr Interesse bekundet haben. Nicht zuletzt verleiht Ursprünglichkeit der „Belle Province“ dem Weihnachtsmarkt seinen ganz besonderen Glanz!

In jedem Jahr hat der Weihnachtsmarkt ein Gastland. In diesem Jahr ist es Russland – in Fortsetzung der bereits bestehenden Partnerschaft mit der Stadt Wologda sowie zum Auftakt des Frankreich-Russland-Jahres 2010. Bis zum 31. Dezember präsentieren 24 Handwerker aus unterschiedlichen Regionen Russlands unter der Schirmherrschaft von Väterchen Frost auf dem Gutenbergplatz, in 18 Buden, ihre Kunst. Ihre kulinarischen Spezialitäten und bunten Auslagen passen hervorragend zu denjenigen ihrer elsässischen Kollegen.

Zum 20. Jahrestag der Kinderrechtskonvention steht die Kindheit im Zentrum der Veranstaltung. Im „Dorf des Kindes“ finden Theateraufführungen, auf dem Thomas-Platz verschiedene Workshops statt.

Um die 28 Meter hohe Tanne auf dem Kleberplatz herum werden dem Besucher Konzerte, Gespräche in den berühmtesten Brauereien der Stadt, Spaziergänge in Begleitung eines Geschichtenerzählers und vieles mehr geboten. Mit über 500 Veranstaltungen sollen die kleinen und großen Besucher verzaubert werden.

Der lang anhaltende Erfolg ist sicherlich der warmen und festlichen, großzügigen und solidarischen Atmosphäre zu verdanken, zu der nicht zuletzt das „Dorf des Teilens“ beiträgt, wo sich rund sechzig karitative und humanitäre Organisationen vorstellen. Auch wenn mit Einnahmen in Höhe von ca. 160 Mio. Euro zu rechnen ist, ist der Straßburger Weihnachtsmarkt keineswegs eine rein kommerzielle Veranstaltung: „Um die Tradition der vier Adventssonntage zu respektieren, haben wir uns zum Beispiel immer geweigert, das Eröffnungsdatum des Weihnachtsmarktes vorzuverlegen“, unterstreicht Roland Ries. „Wir wollen die kulturelle und geistliche Ursprünglichkeit bewahren.“

Dennoch möchte der Oberbürgermeister auf keinen Fall seine Stadt, die seit zwanzig Jahren zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, zu einem „Museum erstarren lassen“. Bei seiner Reise nach Tokio, wo er den Weihnachtsmarkt offiziell eröffnet, wird man ihm die Schlüssel eines Plug-in-Hybridautos überreichen. In der Tat wurden Straßburg und sein Ballungsraum ausgewählt, um ab April nächsten Jahres 300 dieser ökologischen Fahrzeuge zu testen. Eine Weltpremiere! Die von öffentlichen und privaten Einrichtungen benutzten Autos sollen darüber hinaus privaten Nutzern über einen Carpool zur Verfügung gestellt werden. Das von Toyota und dem französischen Energieversorger EdF konzipierte „Kleber-Projekt“ wird vom französischen Staat und der Französischen Umwelt- und Energieagentur unterstützt und soll das Image Straßburgs – als einer dynamischen und innovativen europäischen Hauptstadt – fördern.

Sylvie Thomas

Letzte Änderung 25/04/2012

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