Tour de France 2013 : Zum 100. ganz ohne stimulierende Mittel? [fr]

(c) Frédérique de la Mure - JPEG Es hätte eigentlich ein durchweg freudiges und umjubeltes Ereignis werden sollen: Die Tour de France, das beliebteste Radrennen der Welt, das jedes Jahr 12 Millionen Zuschauer anzieht, feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Die Fahrer werden zwischen dem 29. Juni und dem 21. Juli rund 3000 Kilometer mit dem Rad zurücklegen. Und dennoch sind die Radfans oft nicht mehr mit dem ganzen Herzen bei diesem Ereignis dabei. Sie sind enttäuscht von den Dopingskandalen, die das Bild dieses Rennens und des Radrennsports immer stärker beschädigen.

Wie fern scheint doch diese unbekümmerte Jugend der Tour de France, bei der allein der Mut der Fahrer - die wie die Teufel auf ihren Rädern kämpften - zählte, um am Ende das berühmte gelbe Trikot zu erlangen. Damals… 1903… als die Tour de France von Henri Desgrange und der Sportzeitung L’Auto gegründet wurde – vor 110 Jahren. Eine Ewigkeit… Heute wird Alles und Jeder mit Argwohn betrachtet; jeder Geschwindigkeitsrekord, jeder Tritt in die Pedale. Wie viele Millionen Fans der ganz großen Champions der Jahrtausendwende haben sich seitdem nicht verraten gefühlt? Alle hatten nur Augen für den Amerikaner Lance Armstrong, der zwischen 1999 und 2005 sieben Toursiege in Folge holte, oder für seinen ewigen Rivalen den Deutschen Jan Ullrich, den Gewinner von 1997 und fünfmaligen Zweitplatzierten. Beide haben in diesem Jahr zugegeben, im Laufe ihrer Karriere gedopt zu haben. Ihre Namen landen nun leider auch auf einer bereits langen Liste, einer viel zu langen Liste.

Wie also soll die Zukunft einer Tour de France aussehen, bei der immer mehr Verstöße zutage treten? Schafft sie es wieder auf die Beine zu kommen und erhobenen Hauptes die ganzen Schwindler links liegen zu lassen oder stürzt sie im Gegenteil mit zunehmender Geschwindigkeit in die Hölle der illegalen Substanzen? An gutem Willen mangelt es nicht. Jedes Jahr wird wieder eine „saubere“ Tour versprochen. Natürlich zeugen die häufigen Dopingkontrollen und die verhängten Strafen von der Entschlossenheit der Organisatoren keine Entgleisungen mehr zu dulden und eine andere Gangart einzulegen. Doch die Betrüger haben scheinbar stets eine knappe Kopflänge Vorsprung. Ist also ein wirklicher Wandel tatsächlich noch möglich? Kann man mit 110 Jahren wieder ehrlich werden?

Auch wenn noch nicht alle Hoffnungen verloren sind, so hat dieses Rennen gegen die Zeit sehr wohl bereits begonnen. Das Publikum lässt sich nicht ewig belügen und könnte dem Radsport bald komplett den Rücken kehren, auch den Fahrern, die die Regeln des Fair-Play durchaus noch respektieren. Der Besenwagen, der bei jeder Etappe hinter den Fahrern fährt und die Teilnehmer aufnimmt, die das Rennen aufgegeben haben, könnte bald dazu verdammt sein, die Fans einzusammeln, die vom Siegeszug der immer dreister werdenden Betrüger enttäuscht sind.

Letzte Änderung 26/06/2013

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