Verleihung des Deutsch-Französischen Journalistenpreises 2020

Zwar wurde der renommierte Preis in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise nur in virtueller Form verliehen, die Beiträge waren aber nicht minder beeindruckend. Seit 1983 wird der Deutsch-Französische Journalistenpreis in fünf Kategorien verliehen. Er steht für den Dialog zwischen beiden Ländern und trägt somit zu einer leb- und wehrhaften Demokratie bei, so die französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes.

Trotz der Absage der geplanten feierlichen Zeremonie in der nordrheinwestfälischen Landesvertretung in Berlin sind am 25. Juni 2020 die Preisträger und Preisträgerinnen des diesjährigen Deutsch-Französischen Journalistenpreises (DFJP) bekannt gegeben worden. Die Preise wurden angesichts der Corona-Krise und der Notwendigkeit, soziale Kontakte auf das absolute Minimum zu reduzieren in virtueller Form vergeben. Der DFJP-Vorstandsvorsitzende und Intendant des Saarländischen Rundfunks Professor Thomas Kleist lobte die Qualität der diesjährigen Einreichungen: „Für die deutsch-französischen Beziehungen und das Miteinander in Europa ist und bleibt die Arbeit der Qualitätsmedien von unschätzbarem Wert.“ Dies gelte insbesondere in Krisenzeiten, denn die aktuelle Corona-Pandemie zeige, dass gegen Falsch-Informationen und krude Theorien professionelles journalistisches Handwerk die beste Medizin seien.

Bedeutung der Medien für die Demokratie und ein gemeinsames Europa

Der Bevollmächtigte für die deutsch-französischen kulturellen Beziehungen, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, betonte, die letzten Wochen und Monaten hätten eindrucksvoll die Stärke eines unabhängigen und kritischen Journalismus gezeigt. „Alle Qualitätsmedien haben Steigerungen in ihrer Auflage und in ihrer Zuschauerzahl erlebt, weil man exakt wissen wollte, was passiert, und nicht irgendetwas, das im Internet herumschwirrt“, so Laschet. Die französische Botschafterin in Berlin, Anne-Marie Descôtes, erinnerte diesbezüglich an die Gefahren und Bedrohungen, denen sich kritische Journalisten derzeit weltweit gegenübersehen. „Ich denke insbesondere an diejenigen, die für ihre Arbeit ihr Leben riskieren.“ Laut Reporter ohne Grenzen befänden sich weltweit 389 Journalisten in Haft, 49 seien im letzten Jahr getötet worden. „Der weltweite Kampf gegen diese Willkür bleibt eine der größten Herausforderungen auf internationaler Ebene“, so die französische Botschafterin.

Europäische Geschichten mit großer interkultureller Kompetenz erzählt

Ausgezeichnet wurden herausragende Beiträge zu deutsch-französischen sowie europäischen Themen.

Die Preisträger

In der Kategorie Video wurden Fabienne Hurst, Julian Feldmann und Robert Bongen für ihre TV-Reportage „Das ungesühnte SS-Massaker: Ein französisches Dorf kämpft um Gerechtigkeit“ (ARTE/NDR) ausgezeichnet.

Leslie Benzaquen bekam den Preis in der Kategorie Audio für ihren Podcast „L’affaire des 450 tableaux“ (Apple Podcasts/Spotify/Deezer/Acas).

Das Projekt der Augsburger Allgemeinen „Europa 2019. Eine Reise“ wurde in der Kategorie Text geehrt: Hierfür waren die Volontäre Elisa-Madeleine Glöckner, Veronika Lintner, Jonas Voss und Julian Würzer zwei Wochen lang in elf europäischen Ländern unterwegs - um „den Geist von Europa aufzuspüren“, so Elisa-Madeleine Glöckner.

In Kategorie Multimedia wurde eine Medienkooperation zwischen CORRECTIV, Frontal21/ZDF und 33 weiteren Medien für „Grand Theft Europe“ (https://correctiv.org/top-stories/2019/05/06/grand-theft-europe/) ausgezeichnet. Hierzu haben 63 Reporter aus 30 Ländern ihre Recherchen beigetragen.

Und zu guter Letzt wurden in der Kategorie Nachwuchs Anaelle Abasq, Alexia Echerbault, Lara Gohr, Thabo Huntgeburth, Lukas Knauer, Louise Pillais, Mathilde Pires, Meret Reh, Camille Sarazin und Ramona Westhof für ihren durch und durch zweisprachigen Radiobeitrag „Plus chaud que le climat – Heißer als das Klima“ (DLF Kultur) geehrt.

Auf die Vergabe des Großen Deutsch-Französischen Medienpreises an eine Organisation oder Persönlichkeit, die sich auf besondere Art und Weise um die deutsch-französische und europäische Verständigung verdient gemacht hat, wurde angesichts der Corona-Krise in diesem Jahr verzichtet. Sie soll bei der Zeremonie im kommenden Jahr in Berlin nachgeholt werden.

Letzte Änderung 29/10/2020

Seitenanfang