Von Spielzeugen und Menschen: Eine Reise ins Herz der Imagination in den Galerien des Pariser Grand Palais [fr]

JPEG In Paris ist vom 14. September 2011 bis 23. Januar 2012 in den Galeries nationales du Grand Palais eine wunderschöne Ausstellung zur Geschichte des Spielzeugs zu sehen. Gezeigt werden an die tausend Exponate aus der Zeit von der Antike bis heute, die aus öffentlichen und privaten Sammlungen westlicher Länder und Japans stammen. Diese bisher beispiellose, weltumspannende Präsentation bietet in einer überraschenden Mischung von Tradition und Innovation außergewöhnliche Kreationen (Prinzenspielzeug, Automaten, Raumgefährte, außergewöhnliche Puppenhäuser …), aber auch bescheidenere Objekte (Blei- oder Plastikfiguren, Bälle, Kreisel …), die die Zeit überdauert haben.

Zu dieser Reise durch die Welt des Spielzeugs sind tausend Objekte zusammengetragen, um eine mehr als 2000jährige Geschichte zu erzählen, die in Staunen und Nostalgie versetzt, die Lehren bietet und Anlass zu Fragen ist. Diese Präsentation ist in ihrer Bandbreite und ihrer Ambition außergewöhnlich und bisher beispiellos: Züge, Autos nach Maß, Schiffe, fliegende Untertassen, Prinzessinenpuppen, antike Puppen, Mannequinpuppen, japanische Roboter, Spielbären jeglicher Art, Archen Noahs, Videospiele …

Die Ausstellung möchte mehr sein als eine Spielzeugvitrine, sie will einen echten Reflexionsbeitrag bieten und das mehrdeutige Verhältnis zwischen Kindern und einer Miniaturreproduktion der Welt der Erwachsenen hinterfragen. Welches ist ihre Funktion? Wie hat sich das Spielzeug im Lauf der Zeit entwickelt? Wie groß ist der Anteil des Mimetismus oder im Gegenteil der Freiheit oder Inventivität beim Umgang mit ihm? Soll Spielzeug dazu dienen, Kindern die Normen und Regeln der Welt der Erwachsenen zu vermittelt? Auf all diese Fragen versucht die Ausstellung Antworten zu geben.

Die Ausstellung macht deutlich, welche Bedeutung dem Spielzeug bei der Erziehung des Menschen von der Geburt an zukommt. „Über seine wesentliche Funktion als Unterhaltungsmedium und Spielgegenstand hinaus sagt uns Spielzeug auch etwas über das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern, die Welt, die sie ihnen bieten wollen und der Art und Weise, wie sie sie darauf vorbereiten wollen. Es ist von großer symbolischer Bedeutung und stellt einen erstaunlichen Kompromiss zwischen Wirklichkeit und Illusion dar“, erklärt Ausstellungskommissar Bruno Girveau.

« Alle Kinder sprechen mit ihren Spielsachen. Spielsachen werden zu Akteuren im großen Drama des Lebens“, bemerkte Baudelaire. Während des gesamten Rundgangs begegnet der Besucher immer wieder seinem Kuscheltier, seiner Lieblingspuppe, dem ganzen Arsenal seiner Träume … er findet etwas von der Magie und der Verzauberung seiner Kinderzeit.

In den verschiedenen Kapiteln, in die sich die Ausstellung gliedert, präsentieren sich uns die Welt der Tiere (Snoopy Sniffer, Teady Bear, Tamagotchi), die Illusion des Lebens (Automaten, mechanisches Spielzeug, Roboter), Spielzeug für Mädchen und Spielzeug für Jungen, das Medienzeitalter. Jedes Kind hat seinen Helden. Je nach Epoche heißt er Babar, Bécassine, Davy Crokett, Mickey, Superman, Goldorak, Pokemon…

Das Spielzeug als eine Art Verdichtung von Kultur und Konservatismus erscheint als der Spiegel der Gesellschaft einer bestimmten Epoche. Im Mittelalter und in der Renaissance war Spielzeug das Hauptattribut der Kindheit. Bereits ab dem 19. Jahrhundert wird Spielzeug für alle Kinder empfohlen: Puppen, Bleisoldaten, Schaukelpferde und Spielkarten verschönen das Leben im häuslichen Kreis. Spielzeug symbolisiert eine Zeit der Unbeschwertheit, der man eines Tages entwachsen muss. „Groß werden bedeutet daher zu allererst, sich von seinen Spielsachen zu trennen, zu lernen, ohne sie zu leben, um sich als selbstängiger Erwachsener zu entfalten“, merkt Bruno Girveau an. In Rom musste das junge Mädchen am Vorabend seiner Verheiratung seine Puppe der Venus opfern.

Wie lässt sich Spielzeug Leben einflößen? Die Szenografie wurde von dem Videokünstler Pierrick Sorin konzipiert, der an die fünfzehn Originalinstallationen geschaffen hat: interaktive Installationen, 3-D-Projektionen, optische Theater … Die Besucher werden in eine imaginäre Welt getaucht und auf eine Reise in Zeit und Raum mitgenommen. Mit einer 3-D-Brille entdecken sie lustige und auch melancholische Sketche. Man sieht einen Künstler in einem Puppenhaus herumgehen, eine Autokarambolage organisieren, sich als Plüschbären verkleiden. Für Pierrick Sorin bedeutet Spielzeug in erster Linie Spaß und er will vor allem „Bewegung in die Ausstellung bringen, vergnügliche Momente, lebensvolle, spielerische Augenblicke schaffen“.

In den in den Ausstellungsbesuch eingefügten Ateliers lassen sich die Kinder fasziniert die Geschichte des Spielzeugs erzählen. Sie verfolgen die Parade der kleinen Soldaten, treffen Superhelden. Sie kochen, spielen mit Puppen, basteln…

Die Ausstellung wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Musée des Arts décoratifs in Paris, das eine der bedeutendsten Spielzeugsammlungen Europas besitzt. Weitere renommierte französische und internationale Kulturinstitutionen, wie das Spielzeugmuseum Nürnberg, das Victoria and Albert Museum in London, das Strong National Museum of Play in Rochester (USA), das Spielzeugmuseum in Poissy (Großraum Paris) haben ebenfalls engagiert zu dem Projekt beigetragen. Vom 21. Februar bis 20. Mai 2012 wird die Ausstellung dann im City Art Museum in Helsinki zu sehen sein.

Annik Bianchini

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Letzte Änderung 25/04/2012

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