Weltpremiere für das menschliche Kunstherz in Paris [fr]

GIF Zum ersten Mal weltweit wurde nun einem Herzpatienten ein vollständiges und autonomes Kunstherz eingepflanzt. Entwickelt wurde es von dem französischen biomedizinischen Unternehmen Carmat, Diese medizinisch neuartige Hochleistung wurde in rein französischer Zusammenarbeit von einer Gruppe von Ärzten des europäischen Krankenhauses Georges Pompidou in Paris, unter der Leitung des Kardiologen Prof. Alain Carpentier erbracht. Der mutige und risikoreiche Eingriff macht 20 Millionen Herzleidenden in Europa und in den USA Hoffnung.

Die Implantation eines autonomen Kunstherzens bei einem Herzpatienten, durchgeführt von den Herzchirurgen Christian Latrémouille und Daniel Duveau, stellt eine medizinische, wirtschaftliche und technische Glanzleistung dar. Es handelt sich um ein französisches Kooperationsprojekt zwischen wissenschaftlicher Forschung und industrieller Innovationstechnologie. „Frankreich darf auf diese sensationelle Leistung im Dienste des menschlichen Fortschritts stolz sein“ beglückwünschte Staatspräsident François Hollande die Mediziner und Forscher.

Bei dem Patienten, dem das neue Kunstherz eingepflanzt worden ist, handelt es sich um einen fünfundsiebzigjährigen Mann mit fortgeschrittener Herzschwäche, der sich bereits an seinem Lebensende befand. Nach der Operation teilte die Krankenhausleitung in einem Pressekommuniqué mit: „Das Kunstherz schlägt normal und reagiert völlig autonom auf menschliche Körperbewegunge. Überdies bedurfte es bei der Herzprothese keiner immunsuppressiven Behandlung.“

Verlängerung der Lebensdauer um fünf Jahre

Die von dem französischen Unternehmen Carmat entwickelte Bio-Prothese blickt bereits auf eine lange Geschichte zurück. Im Jahre 1988 meldete der Herzchirurg Alain Carpentier, mit Unterstützung von der Pierre und Marie Curie Universität, das erste Patent für die künstliche Herz-Bio-Prothese an. Nach einem Vierteljahrhundert Forschung wurde diese technologische Neuerung Wirklichkeit.

Das ehrgeizige Projekt besteht aus einer vollständig in den menschlichen Körper implantierbaren Bio-Prothese, die den natürlichen Herzschlag nachahmt und sich den Köperbewegungen anpasst. Carpentier, der bereits weltweiten Ruhm als der Erfinder von biologischen Herzklappen (aus Rinderzellenhaut) genieβt, die das durch Metallklappen verursachte Problem der Blutgerinnung lösen, macht sich bei diesem Kunstherz diese Technologie zu Nutze. Das Kunstherz wiegt 900 Gramm, gegenüber dem Gewicht eines menschlichen Herzens von 300 Gramm, und ist mit 70% der männlichen mit 25% der weiblichen Brustkörbe kompatibel. Schätzungen zufolge kann die Lebensdauer durch das Kunstherz mindestens um fünf Jahre verlängert werden.

Kunstherzimplantate wurden in den vergangenen zehn Jahren weltweit immer wieder eingesetzt. Jedoch handelt es sich dabei um den zeitweiligen Einsatz von Maschinen als Brückenlösungen für eine anschlieβende Herztransplantation. Obgleich diese Transplantationen viele Menschenleben zu retten vermögen, so gehen sie dennoch mit aufwendigen Begleitbehandlungen einher und insbesondere mit dem Risiko der körperlichen Abwehrreaktion. Das Kunstherz hat den Vorteil, dass es aus bio-synthetischem Material hergestellt wird, was die Einnahme von Medikamenten, die einer Abwehrreaktion entgegenwirkenden, überflüssig macht. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass es keine Blutgerinnsel verursacht, wodurch auch das Schlaganfallrisiko gemindert wird.

Das 2008 gegründete Unternehmen Carmat, welches eine wichtige Rolle bei diesem Meilenstein des medizinischen Fortschritts spielte, u. a. durch die Unterstützung von französischen privaten und öffentlichen Partnern, ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Herzchirurgen Prof. Alain Carpentier, dem französischen Verteidigungskonzern Matra Défense (EADS) und dem französischen Investitionsfonds Truffle Capital. Die Firma Carmat teilt mit, dass das „weltweit leistungsfähigste“ Kunstherz jährlich Zehntausenden von Herzpatienten in den größten westlichen Ländern das Leben retten könnte, ohne körperliche Abwehrreaktionsgefahr, und ihnen eine bislang noch nie dagewesene Lebensqualität garantiert.

Eine französische Medizin mit hohem Ansehen

Diese neue medizinische Höchstleistung zeigt einmal mehr den hohen Leistungsstandard der französischen Medizin, der aus einer langjährigen Forschungs- und Innovationstradition erwachsen ist. Die Erfolgsgeschichte der Medizin in Frankreich ist mit berühmten Namen verbunden wie Louis Pasteur, Marie Curie, oder jüngst die Nobelpreisträger aus dem Jahr 2008, Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier, für ihre wissenschaftlichen Arbeiten an der Entdeckung des HIV verursachenden Retrovirus. Dazu zählt auch der Nobelpreisträger im Jahr 2011 Jules Hoffmann. Auf internationaler Ebene beteiligt sich Frankreich aktiv an zahlreichen medizinischen Kooperationsprojekten, u. a. durch sein finanzielles Engagement in Form von beträchtlichen Zuwendungen, durch anerkanntes Fachwissen sowie durch sein beispielhaftes Gesundheitssystem.

Annik Bianchini

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Letzte Änderung 24/06/2014

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