Wirtschaftsdiplomatie: Frankreich will Märkte besser erschließen [fr]

JPEG Die Wirtschaftsdiplomatie ist ein wichtiger neuer Schwerpunkt der französischen Außenbeziehungen. Aus diesem Grund trafen am 9. April mehr als 700 Wirtschaftsführer zu einem Austausch mit Botschaftern und Diplomaten im französischen Außenministerium zusammen. Dabei ging es u.a. um neue geopolitische Gegebenheiten, Handelsverträge und neue Märkte sowie um Reformen, die die Tätigkeit im Ausland, internationale Investitionen und die Visavergabe für Geschäftspartner erleichtern.

Im Rahmen der Politik zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs auf den internationalen Märkten setzt das Außenministerium neue Schwerpunkte.

Das diplomatische Netz soll stärker genutzt werden für:

-  die Unterstützung der französischen Unternehmen auf den Auslandsmärkten,
-  die Förderung von ausländischen Investitionen, die in Frankreich Arbeitsplätze schaffen.

Hintergrund

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage will Frankreich seine außenpolitischen Ziele, Mittel und Organisationsstrukturen und seine „ökonomischen Reflexe“ verbessern. Die Unternehmensförderung im Ausland soll sichtbarer, klarer und effizienter gestaltet werden. Synergien sollen besser genutzt, Wachstumspotentiale, etwa in den BRICS-Staaten, besser ausgeschöpft und Investoren für Frankreich gewonnen werden.

Das Hauptaugenmerk liegt zum einen auf der Förderung der KMU und mittelgroßer Unternehmen im Ausland, etwa durch eine bessere Koordinierung ihrer Inlands- und Auslandstätigkeit und durch die Unterstützung der öffentlichen Investitionsbank (BPI), und zum anderen auf der Förderung ausländischer Investitionen auf französischem Boden, nicht zuletzt über das Gegenseitigkeitsprinzip in den Handelsverhandlungen der EU mit Drittstaaten. Dabei ersetzt die Wirtschaftsdiplomatie weder die Aufgaben und Tätigkeiten der Unternehmen noch die anderer Ministerien, die in diesem Bereich aktiv sind.

Aktionsplan

In Zusammenarbeit mit anderen zuständigen Behörden hat das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten einen Aktionsplan mit neun Punkten vorgelegt, die sich bereits in der Umsetzungsphase befinden:

1. Die Förderung französischer Unternehmen, vor allem KMU/ETI, sowie des „Investitionsziels Frankreich“ für ausländische Investoren wird zu einer vorrangigen und ständigen Aufgabe unseres diplomatischen Netzwerks.

2. Im Außenministerium wird eine Abteilung geschaffen, die sich ausschließlich der Unternehmensförderung und Wirtschaftsangelegenheiten widmet.

3. Jeder Botschafter steht an der Spitze einer „Exportmannschaft“, um die Unternehmen vor Ort mit den verfügbaren staatlichen Strukturen zu unterstützen. In den wichtigsten Botschaften wird dem jeweiligen Botschafter ein Wirtschaftsrat zur Seite gestellt.

4. In den diplomatischen Vertretungen bei Organisationen, die mit Regulierungs- und Gesetzesfragen befasst sind (zum Beispiel die EU und insbesondere im Rahmen von Verhandlungen bilateraler und multilateraler Handelsabkommen) wird ein einfaches Verfahren eingerichtet, wodurch Unternehmen vor und während der Verhandlungen ihre Erwartungen, Bedenken und Interessen zur Geltung bringen können. Im Rahmen der europäischen und internationalen Verhandlungen wird der Grundsatz der Gegenseitigkeit systematisch eingefordert.

5. Bei Ministerbesuchen und -gesprächen wird die wirtschaftliche Dimension gestärkt.

6. Die verschiedenen Instrumente zur Stärkung unserer Wirkkraft (Ausbildung ausländischer Studierender, Stipendien, Auslandsschulwesen, Institut français usw.) werden besser mit der Förderung unsere wirtschaftlichen Interessen verknüpft. .

7. Für einige Länder werden Sonderbeauftragte bestimmt, Persönlichkeiten mit internationaler Erfahrung und guter Länderkenntnis, die unsere Diplomatie vor Ort begleiten.

8. In der Ausbildung unserer Diplomaten erhält die wirtschaftliche Dimension mehr Raum und wirtschaftliche Kompetenzen, vor allem in den Bereichen Export, KMU und Innovation bekommen einen größeren Stellenwert.
9. Das Außenministerium wird für Unternehmen zugänglicher gemacht und ein regelmäßiger Dialog mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern wird entwickelt (jährlicher „Tag der offenen Tür“, unternehmensgerichtete Pressemitteilungen usw.).

Neue Abteilung Wirtschaftsdiplomatie im Außenministerium



Zum 1. März 2013 wurde eine Abteilung für Unternehmen und internationale Wirtschaft im Außenministerium eingerichtet. Damit soll Großkonzernen ebenso wie Kleinen und Mittleren Unternehmen der Zugang zum Ministerium erleichtert werden. Zugleich soll sichergestellt werden, dass ihre Interessen in Verhandlungen Berücksichtigung finden, deren Folgen, besonders im Zusammenhang mit der internationalen Wirtschaftsregulierung, sich auf ihre Aktivitäten auswirken könnten.



Die Leitung der Abteilung für Unternehmen und internationale Wirtschaft übernimmt Jacques Maire, der als Diplomat vielfältige Erfahrungen, u. a. im Wirtschaftsbereich, sammeln konnte und große Anerkennung genießt. Er übernimmt, in Ergänzung zum Wirtschaftsministerium und zu den verschiedenen Wirtschafts- und Sozialakteuren, die Aufgabe, die Aktivitäten unserer Botschaften wirkungsvoll zusammenzuführen.



Neben diplomatischen Ämtern u. a. im Außenministerium und in der ständigen Vertretung Frankreichs bei der Europäischen Union war Jacques Maire auf wichtigen Posten in der Verwaltung tätig (Premierminister, Raumordnung und Umwelt, Beschäftigung und Solidarität). Ferner kommt ihm seine Erfahrung im Privatsektor zugute, wo er von 2002 bis 2012 verschiedene Führungspositionen in der AXA-Gruppe innehatte.

Letzte Änderung 11/04/2013

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